Eynatten

Das „Große Haus“, heute unter Bezeichnung „Vlattenhaus“ bekannt, wurde im 14. Jahrhundert als Nachfolgerin der ursprünglichen Burg errichtet. 1761 erfolgte der Umbau in einen bescheidenen Landsitz. Am 12. September 1944 wurde das Vlattenhaus beim Einrücken der amerikanischen Truppen bei einem Bombenangriff schwer beschädigt. Im Verlaufe dieses Tages wurden zahlreiche weitere Häuser schwer beschädigt oder zerstört, deren Wiederherstellung oder Neuerbauung in den. ersten Jahren nach Kriegsende erfolgte. Die Ruine des Vlattenhauses wurde aber erst 2000 in ein neues sehenswertes Wohngebäude umgewandelt, in dem sich nun neue und alte Bauteile verbinden.

Amstenrather Haus
 
Haus Lamberts

Das „Kleine Haus“, heute unter der Bezeichnung „Amstenrather Haus“ („Herrenhaus“) bekannt, aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts, war ursprünglich eine Wasserburg. Durch Umbauten im 17. Jahrhundert erhielt das bemerkenswerte Gebäude sein heutiges Aussehen.

Zu den ältesten Gebäuden im Eynattener Dorfzentrum, an der Eupener Straße, gehören das „Haus Smets“ (1658) und das „Gut Leuff“, welches dem Haus Smets angegliedert war. Die „Aktienstraße“ verbindet seit 1828 Eupen und Aachen auf dem kürzesten Weg. Eine Straßenbahn verkehrte von 1906 bis 1951 und beim Bau der Autobahn Antwerpen-Köln erhielt Eynatten 1964 eine Autobahnabfahrt und Auffahrt. Dadurch entstand ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, der einen wesentlichen Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung hatte und Handel, Gewerbe und Industrie neue Perspektiven eröffnete.

An der Lichtenbuscher Straße befindet sich das "Haus Lamberts“ aus dem 18. Jahrhundert. Das Herrenhaus wurde im Jahr 1734 erbaut und trägt im Volksmund den Namen "Alcazar" (= span. Burg, Schloß). Sehenswert sind vor allem die Gliederung der Fassade und die drei ovalen, übereinander liegenden Fensteröffnungen.

Die Eynattener Pfarrkirche ist St. Johannes der Täufer gewidmet. Es wird davon ausgegangen, dass der Burgherr Ende des 12. Jahrhunderts für sich, seine Familie und Schutzbefohlenen eine Kapelle errichten ließ, die um 1440 durch eine größere Kirche ersetzt wurde. Im Jahre 1467 stattete man die Kirche mit zwei Glocken aus, wovon die sogenannte Marienglocke heute noch vorhanden ist und geläutet wird. In den Jahren 1707-1711 wurde die baufällige alte Kirche abgerissen und neu errichtet. Der Bau des Glockenturms erfolgte in den Jahren 1733-1736. Im Jahre 1950 wurden Sakristei und Chor der Kirche bei einem Brand schwer beschädigt. 1954 wurde die erweiterte Kirche in ihrer heutigen Größe wieder eingeweiht.

Zu Eynatten gehören auch die Ortsteile Berlotte und Lichtenbusch. Mitten im Ortskern von Berlotte, an der vermutlichen Römerstraße "Kinkebahn", liegt die kleine Kapelle zu Ehren der Heiligen Familie, im Volksmund "Brigida-Kapelle" genannt. Basierend auf einer Schenkung aus dem Jahr 1695 wurde das kleine Gotteshaus im Jahre 1711 erbaut und bereits 1722 um ein Joch vergrößert. Die von den Einwohnern des Weilers liebevoll gepflegte Kapelle wurde in den Jahren 2009/2010 grundlegend restauriert. Jeweils zu Anfang August bildet sie das Zentrum der Berlotter Kirmes, die sich auf den Freiflächen rundherum abspielt.

Wenige hundert Meter entfernt liegt mitten in den Wiesen ein imposanter Bergfried aus dem 14. Jahrhundert, die Wasserburg „Raaff“. Sie wurde wahrscheinlich vom limburgischen Adelsgeschlecht De Raeve erbaut und ging 1380 in den Besitz der Familie Crümmel über. Der Besitz blieb über Jahrhunderte im Besitz der erweiterten Familie, der auch die alten Höfe Neuenhof, Steinkaul, Stester, Göhlhof und Rattenhaus gehörten. Die Burg wurde seit Anfang des 19. Jahrhunderts nicht mehr bewohnt. Nachdem um 1831 aus steuerlichen Gründen das Dach abgetragen wurde, ist die Burg dem Zerfall preisgegeben, obwohl sie seit 1986 unter Denkmalschutz steht.

Lichtenbusch war mit einer Größe von 176 Morgen nur ein kleiner Teil eines gewaltigen Waldes, der sich im Süden von Aachen befand. Durch die kontinuierliche Rodung des Waldes, die im 19. Jahrhundert abgeschlossen wurde, schuf man die heutigen Nutz- und Wohnflächen. Das älteste Gebäude in Lichtenbusch ist der „Hebscheider Hof“, der in einem Schöffenprotokoll von 1391 erwähnt wurde und bis 1921 zur Gemeinde Eynatten gehörte. Durch den Versailler Vertrag nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde der Kreis Eupen, also auch Lichtenbusch, Belgien zugeteilt. Da in dem abgetretenen Gebiet die Hauptgewinnungsanlagen der zentralen Wasserversorgung für die Stadt Aachen lagen, kam es zu Nachverhandlungen die 1921 zu einer Teilung von Lichtenbusch führten. Die heutige Raerener Straße bildet fortan die Grenze zwischen Belgien und Deutschland. Zwischen 1945 und 1954 war Lichtenbusch bekannt für das berühmte „Loch im Westen“, als der Kaffeeschmuggel ungeahnte Ausmaße annahm. Am 06.11.1964 durchschnitten König Baudouin und Bundespräsident Lübke das Band zur Freigabe der Autobahn Antwerpen-Köln und Lichtenbusch erhielt den damals größten Zollkomplex Europas, wo 400 Arbeitsplätze entstanden. Mit Beginn der siebziger Jahre durchlebte Lichtenbusch (B) eine rege Bautätigkeit und einen beachtlichen Zuzug deutscher Bürger, die das Bild Lichtenbuschs veränderten. Zu Lichtenbusch gehören der „Landgraben“ (Grenzgraben) sowie die „Zyklopensteine“ als beliebte Wanderziele diesseits und jenseits der Grenze.

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